Agnieszka Polska gewinnt den Preis der Nationalgalerie 2017

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Agnieszka Polska | Foto: offenblen.de

Am Abend des 20. Oktobers 2017 wurde die Preisträgerin des Preis der Nationalgalerie in einer feierlichen Preisverleihung in Anwesenheit der Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin bekannt gegeben.

Die Jury, bestehend aus Zdenka Badovinac, Direktorin der Moderna galerija, Ljubljana, Hou Hanru, Künstlerischer Direktor des MAXXI Museo nazionale delle arti del XXI secolo, Rom, Sheena Wagstaff, Leonard A. Lauder Chairman for Modern and Contemporary Art des Metropolitan Museum of Art, New York, Sven Beckstette, Kurator der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin sowie Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, entschied sich nach intensiven Diskussionen für Agnieszka Polska (geb. 1985 in Lublin) als Gewinnerin.

Agnieszka Polska erhält mit der Auszeichnung im kommenden Jahr eine große Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie und eine begleitende Publikation.

Begründung der Jury:
Die Jury gratuliert jeder Künstlerin zu ihrem exzellenten und anregenden Beitrag im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. Nach intensiven Diskussionen über alle vier künstlerischen Positionen hat sich die Jury dazu entschieden, den Preis der Nationalgalerie 2017 an Agnieszka Polska zu vergeben. In ihrem scharfsinnigen Werk behandelt Polska einige der dringendsten Fragen unserer Zeit. Sie baut eine poetische und affektbetonte Spannung zwischen den visuellen und akustischen Sprachen unseres digital geprägten Alltags auf. Dabei bezieht sie sich auf moderne und zeitgenössische Weltentwürfe, wie naturwissenschaftliche Theorien, frühe Animationsfilme und die utopischen Tendenzen der Avantgarde. Ihre Arbeiten gleichen Untersuchungen zu den unterschiedlichen Zeitlichkeiten in unserem Universum, die unsere Vorstellungen von Menschsein und Menschlichkeit in Frage stellen. Ihre Perspektive lässt sich mit einem Satz des Sonnen-Charakters aus ihrem ausgestellten Film beschreiben: „Mein Blick bewegt sich in konstanter Geschwindigkeit und alles wurde unumkehrbar in dem Moment, in dem ich es sah.“ Die Jury gratuliert Agnieszka Polska und freut sich auf ihre Ausstellung in der Nationalgalerie im Herbst 2018.

Sandra Wollner gewinnt den Förderpreis für Filmkunst 2017

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Sandra Wollner | Foto: offenblen.de

In Kooperation mit der Deutschen Filmakademie wurde zum vierten Mal der mit 10.000 Euro dotierte Förderpreis für Filmkunst vergeben. Diesen gewinnt Sandra Wollner (geb. 1983 in Leoben, Österreich) für den 70-minütigen Film „Das unmögliche Bild“ (2016).

Die Jury, bestehend aus Meret Becker, Schauspielerin, Mitglied der Deutschen Filmakademie, Alexander Beyer, Schauspieler, Mitglied der Deutschen Filmakademie, Natasha Ginwala, Kuratorin der Contour Biennale 8 und kuratorische Beraterin der documenta 14, Alice Motard, Chefkuratorin am CAPC Musée d’Art Contemporain de Bordeaux, und Alya Sebti, Leiterin der ifa-Galerie Berlin, wählte die Gewinnerin aus einer Shortlist von vier Kandidaten aus.

Begründung der Jury:
Sandra Wollners ruhige Meditation über den Zyklus des Lebens scheint zwischen Dokumentarfilm und Fiktion zu schweben. Es ist ein Film über Leben und Tod auf vielerlei Ebenen und es ist ebenso – und noch grundsätzlicher – ein Film über Wiederholung: über die Wiederholung des Schicksals, über das Wiederkehren von Erinnerungen und ihre Ähnlichkeit zum Medium des Films als einem Bewahrer des Lebens in Form einer konservierten und wiederholbaren Erinnerung. Der Film, der in einem geräumigen Haus im Österreich der 1950er Jahre spielt, nutzt die Ästhetik und Atmosphäre von Archivmaterial. Die Kameraführung und die Art und Weise, wie Inhalte erzählt werden, haben den Anschein einer dokumentierten

Vergangenheit, die uns die Erzählerin aus erster Hand nahebringt. Ab und zu nimmt sie auch buchstäblich den Platz hinter der Kamera ein. Sie erzählt und zeigt uns Szenen aus ihrem Leben, die aus den Tiefen ihrer Erinnerung kommen und von einem Standpunkt jenseits ihrer eigenen Lebenszeit aus betrachtet werden. Der Zuschauer kann sich kaum des Gefühls erwehren, dass sie uns tatsächlich einen Einblick in ihre eigene, selbst erlebte Geschichte und die ihrer Familie gewährt.

Sandra Wollner überzeugte die Jury mit ihrer virtuosen Beherrschung der filmischen Sprache, die sie mit großer Genauigkeit, mit Kreativität und Leichtigkeit einsetzt. Sowohl in den sorgfältig orchestrierten als auch in den scheinbar beliebigen Momenten, zeichnet sich der Film immer durch enorme Präzision aus. Er ist ein zyklisches Puzzle, in dem sich jedes Teil zusammenfügt. Seine Teile sind auf vielerlei Arten miteinander verbunden und konstruieren eine narrative Struktur, die über eine lineare Erzählung weit hinausgeht. Die Grenzen zwischen einem experimentellen Kunstwerk, einem Dokumentarfilm und einem Spielfilm verschwimmen. Zudem scheint Wollners Arbeit die Stärken eines Romans, eines Gemäldes und einer musikalischen Komposition miteinander zu verbinden und Elemente zu verwenden, die nicht inhärent oder notwendigerweise filmisch sind. Das Ergebnis ist ein Kunstwerk, das sich schwer mit Worten beschreiben lässt.

Ab dem 21. Oktober wird der ausgezeichnete Film bis zum 14. Januar 2018 parallel zu den Werken der vier nominierten Künstlerinnen im Hamburger Bahnhof zu sehen sein.