Preis der Nationalgalerie 2019

© Foto: David von Becker

Preisträgerin

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Foto: David von Becker

Pauline Curnier Jardin

(geboren 1980 in Marseille, lebt in Berlin)

Begründung der Jury:

Nach einer lebendigen Diskussion hat die Jury den Preis der Nationalgalerie 2019 an Pauline Curnier Jardin verliehen, nicht nur mit Blick auf ihren Beitrag zur Shortlist-Ausstellung hier im Hamburger Bahnhof, sondern für ihre künstlerische Praxis insgesamt.

Die Jury begründet ihre Entscheidung auf dem Geist des Preis der Nationalgalerie, eine künstlerische Praxis in ihrer Entwicklung zu fördern. Die Jury beeindruckt vor allem Pauline Curnier Jardins herausfordernde und vereinnahmende filmische und installative Sprache. Nicht ungleich einem sich im Delirium befindlichen Zirkus, eröffnet ihr Werk eine verunsichernde Erfahrung, die auf der Verwirrung unserer Zeit gründet.

 

Die Preisträgerinnen-Ausstellung findet statt:

20. November 2020 – 2. Mai 2021
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Shortlist

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Foto: Alexander Coggin

Pauline Curnier Jardin

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Simon Fujiwara

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© Foto: Robert Newald

Flaka Haliti

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© Agnieszka Polska

Katja Novitskova

Shortlist-Ausstellung

16. August 2019 – 16. Februar 2020
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Zum Ausstellungs-Booklet

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Pauline Curnier Jardin, Installationsansicht im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin © Luca Girardini

Pauline Curnier Jardin schuf mit ihrer grenzüberschreitenden künstlerischen Arbeitsweise, in der sich visuelle und narrative Elemente des Theaters und des Erzählkinos verbinden, einen Bühnenraum. In dieser begehbaren Installation verzahnten sich filmisches und skulpturales Schaffen in der für die Künstlerin typischen Weise. Ihre Gesamtkomposition aus den beiden Filmen Explosion Ma Baby (2016) und der Neuproduktion Qu’un Sang Impure sowie der skulpturalen Arbeit Peaux de Dame in the Hot Flashes Forrest (2019) schuf ein wildes Geflecht rund um Begehren und Reproduktion.

Simon Fujiwara zeigte in der Shortlist-Ausstellung eine Zusammenstellung von vier Werken, die seiner Untersuchung heutiger Massenphänomene und ihrer ökonomischen, medialen und gesellschaftspolitischen Aspekte entspringen. Dabei verdeutlichten die sehr unterschiedlichen Arbeiten, wie sehr diesen Phänomenen eine emotionale Komponente zu eigen ist. Im Zentrum stand die Videoinstallation Likeness (2018), die sich der Figur der Anne Frank bzw. ihrer medienwirksamen Inszenierung und Instrumentalisierung widmet.

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Simon Fujiwara, Installationsansicht im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, Courtesy Collection Lafayette Anticipations – Fonds de dotation Famille Moulin, Paris, Esther Schipper, Berlin and Dvir Gallery, Brussels and Tel Aviv, Foto: Mathias Völzke
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Flaka Haliti, Installationsansicht im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart - Berlin © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, Courtesy the artist and Deborah Schamoni, Foto: Mathias Völzke

Flaka Haliti setzte für die Ausstellung ihre beiden Werkserien Its urgency got lost in reverse (while being in constant delay) und Is it you, Joe? fort. Zwei farbenfrohen Robotern im Müßiggang, zusammengesetzt aus Materialien aufgegebener KFOR-Feldlager im Kosovo – also aus den ausrangierten Bausteinen eines Friedensprozesses –, setzte die Künstlerin die wandelbare Gestalt des*der Joe gegenüber, die sie seit 2015 als schwer zu greifendes Alter Ego begleitet. Dabei waren in der den gesamten Raum gestaltenden Inszenierung die beiden Konvolute genauso sehr miteinander verzahnt, wie sie sich aneinander rieben.

Katja Novitskova wurde als eine der Pionier*innen einer künstlerischen Sprache, die als „Post-Internet Art“ Bezeichnung fand, bekannt. Für die Shortlist-Ausstellung schuf sie ein virtuoses, vielteiliges und vielschichtiges „Environment“ aus skulpturalen Elementen, Wandmalerei und Projektionen verschiedener Art. Auch hier bildeten die Werke in der Gesamtinstallation ein gemeinsames, eng ineinandergreifendes Gefüge. Die Arbeiten gründen auf Novitskovas anhaltender Recherche zu aktuellen Forschungen der Biotechnologie und kreisen um die Frage des zukünftigen Fortbestehens des Organischen als Bestandteil technologischer Prozesse.

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Katja Novitskova, Installationsansicht im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin © Courtesy the artist, Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin and Sammlung Marta, Foto: Holger Niehaus

Preisträgerin Förderpreis für Filmkunst

Lucia Margarita Bauer mit dem Film MAMAN MAMAN MAMAN

Begründung der Jury:

Lucia Margarita Bauer erzählt in MAMAN MAMAN MAMAN eine sehr persönliche Geschichte. Sie kreiert auf spielerische Art und Weise ein dokumentarisches Porträt und schafft es, eine überraschend tiefe psychologische Ebene einzubeziehen, in der die Frage der Identität und des „Verrücktseins“ immer wieder neu gestellt werden. Basierend auf einer wahren Geschichte bewegt sie sich auf den Spuren ihrer Großmutter, zwischen dem Leben in einer Großfamilie, der Alzheimer-Erkrankung und dem Zweiten Weltkrieg.

Aus Handyvideos und Briefen, der familieneigenen Fotosammlung, der humanistisch orientierten Familienbibliothek und den Super-8-Filmen der eigenen Großmutter schafft Lucia Margarita Bauer einen spannungsvollen, inspirierten und assoziationsreichen Schnitt und entwickelt eine eigene Bildsprache. Sie überzeugte die Jury durch ihren Sinn für Kreativität und die Kombination aus Humor und Tragik, durch die sie die Zuschauer*innen in ihren Bann zieht. Leichtfüßig und zugleich tief ernst gelingt ihr damit ein flirrendes und wahrhaftiges Porträt einer Frau, einer Familie, einer Zeit und eines Hauses.

Erste Jury

Nikola Dietrich

Doris Dörrie

Marina Fokidis

Ulrich Matthes

Bige Örer

Zweite Jury

Annie Fletcher

Anna-Catharina Gebbers

Udo Kittelmann

Philippe Vergne

Theodora Vischer